Gemeinde bringt junge Leute und Lebens-Experten zusammen

Ob Heimwerkern, Bewerbungen oder der Umgang mit dem ersten eigenen Geld – bei der Aktion „1000 Sachen“ in Gelsenkirchen-Buer-Schaffrath konnten Jugendliche und junge Erwachsene lernen, was beim Absprung aus dem Elternhaus wichtig ist.

Ein Loch in die Wand bohren, ein Bild aufhängen oder einen Knopf annähen – an sehr lebenspraktischen und doch selten von der Schule trainierten Aufgaben konnten sich am Freitagnachmittag junge Leute im früheren Pfarrhaus von Heilig Geist in Gelsenkirchen-Schaffrath versuchen. Gemeindeleiterin Lucia van den Boom hatte eine Schneiderin, erfahrene Heimwerker, aber auch eine Bewerbungsfachfrau und eine Steuerberaterin in die leerstehende Wohnung eingeladen. Dort konnten Jugendliche und junge Erwachsene an der Schwelle zwischen Schule und Ausbildung oder Beruf ohne Rücksicht auf mögliche Flurschäden oder peinliches Gelächter zu Hammer, Kelle oder Nadel greifen.

„Ich habe selbst Kinder in diesem Alter, da sind solche Fragen alltäglich“, sagt Gemeindereferentin van den Boom. Zugleich „möchte ich, dass unsere Kirche auch für diese Altersgruppe etwas anbietet“. So entstand im Seelsorge-Team der Pfarrei St. Urbanus die Idee, die vielen Angebote zu „1000 Jahre Kirche in Buer“ durch die Veranstaltung „1000 tolle Sachen“ zu ergänzen.

„Vorm ersten Geld auch etwas zur Seite legen“

Dass es „tolle Sachen“ selten ohne Geld gibt, wissen Jugendliche – wie man vom ersten selbst verdienten Geld möglichst lange etwas hat, erfahren sie im ersten Zimmer der alten Pfarr-Wohnung bei Steuerberaterin Silke Kentrup. „Gerade junge Leute sollten nicht alles ausgeben, sondern regelmäßig Geld zur Seite legen“, rät Kentrup. Zugleich warnt sie vor allzu verlockenden Finanzierungen, gerade von Hausgeräten, Reisen oder dem nächsten Auto. Vorsicht gelte „bei allen Kosten, die regelmäßig wiederkehren: Handy, Miete, Versicherungen …“ Regelmäßig sollte man sich fragen: „Kann ich mir das noch leisten?“, rät Kentrup und empfiehlt „eher zu sparen als zu finanzieren“. Gerade bei jungen Leuten sei eine Schuldenfalle eine häufige Gefahr.

Tipps zu allen Themen rund um Banken, Versicherungen und Steuern findet Teilnehmerin Felicitas sehr wertvoll. „Was man zum Beispiel bei Verträgen beachten muss, haben wir in der Schule nicht gelernt“, sagt die 19-Jährige, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr macht. Deutlich geübter als mit ihrer Steuererklärung geht Felicitas mit der Nähmaschine um, die Schneiderin Silvia Kniest mitgebracht hat. Die beiden kennen sich schon von einem der Nähkurse, die die frühere Steilmann-Mitarbeiterin heute bei der Katholischen Familien-Bildungsstätte in Bochum anbietet. Von Felicitas mal abgesehen, „hat doch kaum einer der jungen Leute schon mal selbst einen Knopf angenäht“, so Kniests Erfahrung. Wenn das Lieblings-Kleidungsstück kaputt ist, müssten Mama oder Oma einspringen. Immerhin: Statt eines vermeintlichen Trends zu Billig-Kleidung, die schnell weggeworfen wird, sieht Kniest eher ein Marken-Bewusstsein und eine enge Verbundenheit der jungen Leute zu ihren Klamotten – umso wichtiger sei es, diese gelegentlich auch reparieren zu können.

„Ich hab grad zum ersten Mal ein Bild aufgehängt“

Deutlich mehr Krach als die surrende Nähmaschine machen Hammer und Bohrer im Flur und im großen Wohnzimmer. Lehramtsstudentin Lias erste Begegnungen mit einer Schlagbohrmaschine. „Es ist toll, dass man so was hier einfach mal ausprobieren kann“, sagt die 19-Jährige. Zuhause scheitere es manchmal schon daran, einen Nagel in die Wand zu schlagen. „Ich hab grad zum ersten Mal ein Bild aufgehängt“, grinst Dennis einen Raum weiter. Das hängt für die Premiere erstaunlich gerade – und untermauert mit der Aufschrift „Be Happy“ die aufkommenden Glücksgefühle.

Für solche möchte auch Verena Pohler sorgen, die als Fachfrau vom Gelsenkirchener Jobcenter ein Zimmer weiter bei der erfolgreichen Jobsuche hilft. „Fehlerfrei geschriebene, ordentlich ausgedruckte Texte – und professionelle Bewerbungsfotos, nicht die aus der Fotobox“, lauten ihre wichtigsten Tipps für Bewerbungen, die beim Empfänger nicht gleich ungelesen im Papierkorb landen sollen. Für eine weitergehende Unterstützung verweist sie auf die „Job Points“, wo jeder Arbeitssuchende in Gelsenkirchen kostenlos Beratung und konkrete Hilfe erfahren kann.

Van den Boom ist mit der ersten „1000 Sachen“-Aktion und vor allem dem Engagement der ehrenamtlichen Fachleute sehr zufrieden. Auch wenn sich der Andrang der jungen Leute bei der Premiere noch in Grenzen hielt, will sie mit ihrem Team auf jeden Fall überlegen, wie und wo sich ein ähnlicher „Ausprobier-Tag“ für junge Erwachsene wiederholen lässt.

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